Aktuelles aus Baar: Gemeinde Baar

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Wiederbelebung Kleine Paar

Artikel vom 12.09.2023

Artenreichster Lebensraum im Gemeindegebiet Baar (Schwaben)

Der Gemeinde Baar (Schwaben) obliegt die Unterhaltung von ca. 10,1 km Gewässer dritter Ordnung (3,3 km Zellerbächlein, 2 km Wiesenbach, 4,8 km Kleine Paar). Dadurch hat die Gemeinde Baar ca. 55.500 m² Gewässer mit Uferstreifen im Eigentum. Die Fließgewässer bilden als zusammenhängende Lebensader im Gemeindegebiet Baar den artenreichsten Lebensraum (Wiese, Feuchtwiese, Schilfzonen, Gehölze, Gewässer). 
Am 22.12.2000 trat die europäische Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) in Kraft. Die WRRL schafft einen Ordnungsrahmen für die wasserpolitischen Maßnahmen in der europäischen Union. Die WRRL wurde im Wesentlichen im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie zum Teil im Bayerische Wassergesetz (BayWG) in nationales Recht umgesetzt. 

Übergeordnetes Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie

Das übergeordnete Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist die Schaffung eines Ordnungsrahmens für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers. Dieser Ordnungsrahmen soll unter anderem folgenden Zwecken dienen:

  • Vermeidung einer Verschlechterung sowie Schutz und Verbesserung des Zustandes aquatischer Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängigen Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf ihren Wasserhaushalt.
  • Förderung einer nachhaltigen Wassernutzung.
  • Anstreben eines stärkeren Schutzes und einer Verbesserung der aquatischen Umwelt.
  • Reduzierung der Verschmutzung des Grundwassers und Verhinderung einer weiteren Verschmutzung.
  • Beitrag zur Minderung der Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren.

Dieses übergeordnete Ziel wird mit den Umweltzielen für Oberflächengewässer, Grundwasser und Schutzgebiete konkretisiert. Diese Umweltziele bilden die zentrale Vorgabe für die Gewässerbewirtschaftung nach den Regelungen der Wasserrahmenrichtlinie. Bäche, Flüsse, Seen und das Grundwasser sollen demnach generell einen "guten Zustand" aufweisen und, wenn dies noch nicht der Fall ist, diesen Zustand sehr rasch erreichen.

Vorgehensweise bei der Erarbeitung der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme

Die Vorgehensweise bei der Erarbeitung der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme richtet sich nach einem system-analytischen Ansatz zur Lösung von Umweltproblemen. Danach wird mit der Analyse der sozioökonomischen und klimatischen Rahmenbedingungen begonnen, die als treibende Kräfte durch ihre Einflüsse Druck auf die Ressource Wasser ausüben und diese belasten. Zu diesen Belastungen zählen z. B. morphologische Änderungen am Gewässer, Belastungen mit Schad- und Nährstoffen aus Punktquellen oder diffusen Quellen sowie Wasserentnahmen. Die Belastungen verändern den chemischen, ökologischen und mengenmäßigen Zustand der Gewässer maßgeblich. Das hat wiederum Auswirkungen z. B. auf die Lebensbedingungen in aquatischen Ökosystemen und den Wasserhaushalt. Als Reaktion auf diese Auswirkungen werden Maßnahmen zur Entlastung und Anpassung geplant und umgesetzt. Die Maßnahmen können prinzipiell bei allen Gliedern der Kausalketten ansetzen. Damit verankert die WRRL ein integriertes Flussgebietsmanagement, das sowohl naturwissenschaftliche als auch sozioökonomische Aspekte berücksichtigt.

Ein Gewässer gilt als ökologisch intakt, wenn die Wasserqualität gut und seine Struktur möglichst natürlich ist. Um den ökologischen Gewässerzustand nach den Vorgaben der WRRL umfassend zu bewerten, müssen neben den Einträgen von organischen Stoffen auch Nähr- und Schadstoffeinträge sowie Veränderungen der Gewässerstruktur bewertet werden. Zu diesem Zweck untersucht man wirbellose Kleintiere des Gewässergrundes sowie Algen, Wasserpflanzen und Fische. Zudem wird eine Vielzahl von Stoffen mit chemisch-analytischen Verfahren gemessen. Dazu gehören Metalle, Pestizide und weitere Chemikalien, insgesamt 50 Stoffe und Stoffgruppen, die den chemischen Zustand des Gewässers definieren.

Komponenten und Kriterien zur unterstützenden Bewertung

Zur unterstützenden Bewertung sind folgende morphologische Komponenten und Kriterien der biologischen Qualitätskomponenten (Makrozoobenthos, die Fische und die Pflanzen-Makrophyten & Phytobenthos) heranzuziehen:

  • Tiefen- und Breitenvariation: Variationen von Breite und Tiefe 
  • Struktur und Substrat des Flussbetts: Laufentwicklung, Strömungsgeschwindigkeiten, Substratbedingungen
  • Struktur der Uferzone: Struktur und Bedingungen der Uferbereiche
  • Abfluss und Abflussdynamik: Menge und Dynamik der Strömung
  • Verbindung zu Grundwasserkörpern
  • Sedimentdurchgängigkeit: ein gewässertypspezifischer Transport von Geschiebe und Schwebstoffen (Sediment

Außerdem werden chemisch, physikalische Qualitätskomponenten sowie die flussgebietsspezifischen Schadstoffe unterstützend für die Bewertung nach der WRRL mit hinzugezogen.

Ökologischer Zustand der kleinen Paar

Der ökologische Zustand der Kleinen Paar ist als schlecht einzustufen. Ursache dieses schlechten Zustands sind unter anderem

Begradigung/Uferverbau (Abb 1)

  • Verschlechterung der Hydromorphologie, Überschwemmungsgefahr stromabwärts
  • Absenkung des Grundwasserspiegels
  • Beeinträchtigung des Ökosystems, Zerstörung von Lebensräumen
  • Eintiefung des Gewässers

Eintrag von Feinmaterial

  • Verschlammung des Gewässers
  • hoher Nährstoffeintrag v.a. durch Landwirtschaft
  • Zerstörung von Lebensräumen (Gewässersohle)
  • Eutrophierung des Gewässers

Mangelnde Durchgängigkeit, Verrohrungen, Einengungen (Abb. 2)

  • Beeinträchtigung von Lebensräumen von Fischen und anderen wassergebundenen Organismen, negative Bestandsentwicklung
  • Unterbindung von Sedimenttransport, damit einhergehend Verschlammung
  • teilweise Rückstau bei Hochwasser

Fehlende Gewässerrandstreifen

  • Erhöhter Sediment und Nährstoffeintrag
  • Fehlender Gehölzaufwuchs
  • geringer Artenreichtum, fehlende Lebensräume
  • mangelnder Wasserrückhalt

Fehlende Gehölze

  • Verschlammung durch Uferabbrüche
  • Höhere Temperaturen durch fehlende Beschattung, dadurch Algenwachstum, Verschlammung
  • Fehlende Lebensräume
  • Verschlechterung von Wasserrückhalt

Bewirtschaftungsvorgaben

Gemäß § 27 Abs. 1 WHG sind oberirdische Gewässer so zu bewirtschaften, dass eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden. Unter „bewirtschaften“ ist vor allem auch der Gewässerunterhalt zu verstehen, der im Falle der Kleinen Paar in der Verantwortung der Gemeinde Baar (Schwaben) liegt (Art. 22 Abs. 1 Nr. 3 BayWG). Unter Unterhaltsmaßnahmen an Gewässern versteht man alle Maßnahmen, die der Pflege und der damit verbundenen Entwicklung des Gewässers dienen. Eine scharfe Abgrenzung zum Gewässerausbau, der i.d.R. einen nicht unerheblichen Eingriff ins Gewässer bedeutet gibt es dabei nicht.

Ergänzend ist zu erwähnen, dass seit 1. August 2019 ein Verbot der garten- und ackerbaulichen Nutzung in einer Breite von mindestens 5 m von der Uferlinie der fließenden Gewässer besteht (Art. 16 Abs. 1 Nr. 3 BayNatSchG, Gewässerrandstreifen).

Pflegekonzept

Um dieser gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen, wurde durch den Umweltreferenten ein Pflegekonzept erarbeitet, welches im Rahmen des Gewässerunterhalts umgesetzt wird.

Bereits begonnene Maßnahmen:

  • Pflanzung von Gehölzen entlang der Gewässer
  • Durchgängigkeit an der Kleinen Paar durch Herstellung von Sohlrampen aus Wasserbausteinen an den Schwellen/Abstürzen
  • Extensivierung der Pflege der Gewässerrandstreifen wo möglich
  • Einbau von Struktur (Totholz, Wasserbausteine)
  • Einbringung von Kies
  • Erlebbarkeit für Bevölkerung steigern

Geplante Maßnahmen

  • Retentionsraum schaffen (Hochwasserschutz)
  • Durchgängigkeit herstellen an Zellerbächlein und Wiesenbach
  • Umweltbildung (Gewässer näherbringen)

Übersicht über bereits umgesetzte Maßnahmen im Projekt „Wiederbelebung Kleine Paar“ (Baar, Holzheim)

  1. Versteinung entfernt ca. 10 m, Mündung Wiesebach
  2. Sitzplatz aufgewertet, bei Feuerwehrhaus
  3. Umgebaute Sohlschwellen: 6, WWF Gewinn Flussbefreier, Umbau bis 04/2012, (17 Stück)
  4. Struktureinbau: 400 m Buhnen und Strukturelemente aus Wasserbausteinen, Kies als Laichplätze (1400 m)
  5. Pflanzung: 70x Schwarzpappeln, 20x Schwarzerle, 40xSalweide, 30xKorbweide, 30xPurpurweide (70x Weiden, 50x Eberesche, 70x Schwarzpappeln, 20x Schwarzerle, 40x Salweide, 30x Korbweide, 30x Purpurweide)
  6. Wassertretplatz mit Sitzmöglichkeiten
  7. Extensive Bewirtschaftung der Ufer, wo möglich
  8. 2x Infotafeln, Spendertafel (4x Infotafel)
  9. Fischbesatz mit verschollenen Fischarten (Mühlkoppe)
  10. Brutboxenprojekt Bachforelle
  11. Betreuung Abschlussarbeit zusammen mit Wasserwirtschaftsamt Donauwörth

Fotos: Matthias Schlicker

Weitere Bilder zur Übersicht über bereits umgesetzte Maßnahmen im Projekt „Wiederbelebung Kleine Paar“ (Baar, Holzheim)

Fotos: Matthias Schlicker

Baar gehört zu den Gewinnern des Word Wide Funds for Nature (WWF) Rückbauwettbewerbs

Baar gewinnt den Wettbewerb des Rückbauwettbewerbs der WWF unter dem Motto "Werden Sie Flussbefreier". Die Renaturierung wird aus Mitteln der Deutschen Postcode Lotterie mit 30.000 € teilfinanziert.

Die Pressemittelung über die Gewinner des Wettbewerbs können sie hier einsehen.

Gemeinde Baar (Schwaben) im Wettbewerb "Ausgezeichnete Bäche" prämiert - Sonderpreis "Kleine Maßnahmen, große Wirkung"

Im Jahr 2023 wurde der Wettbewerb "ausgezeichnete Bäche" zum zweiten Mal durchgeführt. Gesucht wurden wieder Projekte und Maßnahmen zur naturnahen Entwicklung und Unterhaltung Gewässer dritter Ordnung, die von Gemeinden und Städten durchgeführt wurden.

Die Gemeinde Baar (Schwaben) nahm mit dem Projekt „Wiederbelebung Kleine Paar“ an dem Wettbewerb teil.

„Gemeinsam für unsere Kleine Paar!“

Besonderheit:

  • Das Projekt startete mit einer Spendenaktion in der Gemeinde Baar.
  • Viele freiwillige Helfer engagieren sich und packen mit an. Die Grundschule und der Fischereiverein machen mit.

Kurzbeschreibung:

  • Wanderhindernisse wurden naturverträglich umgebaut, Kies schafft natürliche Lebensräume.
  • Neu gepflanzte Schwarzpappeln und Erlen werten die Ufer ökologisch auf, eine naturverträgliche Mahd schont Tiere und Pflanzen.
  • Die Erfolge können sich sehen lassen: Zwei Infotafeln und eine Spendertafel informieren, der erste Baarer Gewässertag lockte die Bewohner der Gemeinde an ihr „neues“ Gewässer.
  • Und für Genießer gibt es steinerne Sitzplätze direkt am Bach.

Für dieses Projekt wurde die Gemeinde Baar (Schwaben) am 06. September 2023 am Hochwasserrückhaltebecken Eurishofen in der Gemeinde Jengen im Ostallgäu mit dem Sonderpreis prämiert.

Bootsrennen der Fischereivereine Holzheim und Baar am 09. September 2023 von Baar nach Holzheim

Rund 100 selbstgebaute Boote sind bei strahlendem Sonnenschein von Holzheimer und Baarer Kindern und ihren Familien auf ihren Weg von Baar nach Holzheim auf der kleinen Paar begleitet worden. Dabei konnte den Teilnehmern das Gewässer und die dort bereits umgesetzten Verbesserungen in Form von Strukturmaßnahmen (Kies, Wasserbausteine), Sohlschwellen, die wieder von Fischen und Insekten überwunden werden können und Baumpflanzungen näher gebracht werden. Die schönsten und schnellsten Boote erhielten mit Preisen des Angelcenters Nordschwaben Donauwörth, dem Einkaufszentrum Woha Donauwörth und von Zeck Fishing eine Belohnung für ihre Mühen.

Auszeichnung als hervorragendes Projekt der UN-Dekade

Das Projekt „Wiederbelebung Kleine Paar“ darf ab sofort mit dem Logo der Vereinten Nationen werben.

Das Projekt „Wiederbelebung Kleine Paar“ ist ein besonders positiver Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen der Gewässer und Auen und ihrer biologischen Vielfalt, und damit ein „Hervorragendes Beispiel der UN-Dekade“.

Nähere Informationen zur Auszeichnung finden Sie hier.

Gewässertag 2022

Impressionen